Der Film „Blöd wird’s von allein“ erzählt die Geschichte der an Demenz erkrankten Eleonore und ihrer Tochter Susie und von der liebevollen Beziehung zwischen diesen beiden außergewöhnlichen Frauen.
Die filmische Erzählung verbindet die Gegenwart, in der Susie ihre Mama pflegt, mit der Vergangenheit dieser Frauen, die seit Jahrzehnten Emanzipation leben. Nicht bewusst, sondern einfach, weil sie sind, wie sie sind und wie sie sein möchten, mit allen Konsequenzen, die dazu gehören.
Eleonores Mutter war zeitlebens manisch-depressiv und hat sich ein halbes Jahr nach Susies Geburt umgebracht. Eleonores Gynäkologin meinte damals zu ihr: „Hätten Sie kein uneheliches Kind in die Welt gesetzt, würde ihre Mutter noch leben.“ Eleonore ließ sich davon nicht erschüttern, sie war mit sich und ihren Entscheidungen im Reinen. Die Strenge, die Eleonore als Kind erfahren musste, wollte sie nicht an ihre Tochter Susie weitergeben. Ihr war immer klar, dass sie es anders machen will.

Susie und Eleonore wohnen in gegenüberliegenden Häusern in der Paradeisstraße im beschaulichen Weilheim in Oberbayern. Eleonore lebt heute allein, da ihr Partner Hansl, in den sie sich mit 57 Jahren verliebt hatte, vor 15 Jahren verstorben ist. Susie wohnt mit ihrem Partner Wolfgang zusammen, den sie seit über 40 Jahren kennt, also seit ihrer gemeinsamen Zeit am Gymnasium.
Wenn Susie nicht wegen ihrer Arbeit als Künstlerin, Regisseurin, zweite Vorsitzende des „Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V.“ oder ehrenamtlich für die Deutsche Stiftung Organtransplantation in der Welt unterwegs ist, kümmert sich um alles, was anfällt. Eleonore ist auf ihre Tochter angewiesen. Susie kauft ein, kocht, putzt, macht die Wäsche, badet ihre Mutter, organisiert Arzttermine, steht mit ihr morgens auf und bringt sie abends ins Bett. Sie frühstücken gemeinsam, sitzen zusammen bei Kaffee und Kuchen, lesen Zeitung oder kuscheln und schlafen gemeinsam auf dem Sofa ein, wenn die Erschöpfung die beiden überrollt.

Eine Kommunikation auf sprachlicher Ebene ist wegen der fortschreitenden Demenz von Eleonore kaum noch möglich. Susie hat das Gefühl, die geliebte Mutter mehr und mehr zu verlieren. Manchmal ist sie deshalb frustriert und in Sorge.
Bei allem, was Susie macht, hilft ihr ihre positive und liebevolle Art und ihr Humor, die Demenz ihrer Mutter auch als Chance zu sehen. Wie eine Art Leitbild fungiert dabei die Figur der Clownin, die Susie schon viele Jahre als Künstlerin begleitet. „When nothing goes right, go left!“. In ihrem Wohnzimmer hängt eine Postkarte, auf der steht: „Es ist, wie es ist.“ Die Umstände kann sie nicht ändern, ihre Denkweise und ihr Handeln schon.
Wie die Figur der Clownin lebt auch Eleonore nur im Hier und Jetzt. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Wenn Eleonore sich auf dem Weg zum Bahnhof einkotet und Susie sie danach sauber macht und auf das Sofa legt, dann genießt Eleonore die Ruhe und das Ausruhen auf dem Sofa. Sie denkt weder darüber nach, wer sie vielleicht beobachtet haben könnte und vor wem sie sich vielleicht schämen muss, noch, ob es ihr in der Zukunft vielleicht wieder passiert. Sie hat den Vorfall schon wieder vergessen.

Ganz anders Susie, sie hadert mit solchen Situationen, zermartert sich den Kopf, kommt am Ende aber zu dem Schluss, dass alle ihr Bestes gegeben haben, dass sie daraus lernen werden, um es beim nächsten Mal besser zu machen.
Susie ist immer kreativ und macht intuitiv aus jeder kleinen Situation einen besonderen Moment. Führt sie Eleonore zur Toilette, legt sie die Hände ihrer Mama auf ihre Schultern und singt: „Wir tanzen Tango und möglichst lang-oh. Es schmiegt sich eng-oh bei dem Gedräng-oh. Nimm meine Hand-oh und das Kommando und pack mich fest an – Du weißt schon wo!“ So tanzen sie dann zum Bad und Eleonore lächelt.
Die beiden verbinden sich oft über Berührungen miteinander. Sie streicheln sich übers Gesicht, legen ihre Hände ineinander oder küssen sich – auf die Wangen, auf die Stirn, auf die Nasen. Die Liebe zwischen den beiden ist nicht zu übersehen und auch ihr Humor ist ein immerwährendes Band zwischen ihnen. Susie jodelt, Eleonore jodelt zurück. So hangeln sie sich durch, Tag für Tag, und machen das Beste daraus.

Doch zunehmend wird es für Susie schwieriger, die Pflege Eleonores, ihre vielfältigen beruflichen Aufgaben und ihre Partnerschaft mit Wolfgang unter einen Hut zu bringen. So entscheidet Susie schweren Herzens, Eleonore zum Test neun Tage in Kurzzeitpflege zu geben. Der Abschied von Eleonore fällt Susie sichtlich schwer, Gewissensbisse plagen sie und sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Pflichtgefühl ihrer Mama gegenüber und der Sehnsucht, auch ihrer Beziehung und sich selbst wieder mehr Zeit und Raum zu geben.
Wie es weiter geht, wissen wir nicht. Susie und Eleonore erfinden sich jeden Tag neu und leben nach dem Motto: „Wir machen es uns schön, weil BLÖD WIRD’S VON ALLEIN!“
Wir werden Eleonore und Susie für den Film auf diesem weiteren, bis jetzt noch unbekannten Weg begleiten. Ein Weg, den viele Menschen in unserer immer älter werdenden Gesellschaft gehen müssen und der ein sehr holpriger ist, ein Weg mit vielen Ungewissheiten und Schlaglöchern.
Dabei werden Susie und ihre Mutter Eleonore an ihre Grenzen stoßen, sie werden schwierige Situationen meistern müssen und wir wissen noch nicht, bis zu welchem Punkt ihres gemeinsamen Weges wir sie für unseren Film respektvoll begleiten werden.
Was wir aber sicher wissen ist, dass dieses besondere Band, das Susie und Eleonore schon immer verbindet, ihre tiefe Liebe, ihre große Vertrautheit und ihr Humor diese beiden Frauen sicher durch diese wohl letzte Lebensphase tragen wird. Damit wird dieser Film viele Menschen inspirieren, die heute und morgen in ähnlicher Situation sind oder sein werden.